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Gleitzeitguthaben: Wie richtig abzurechnen ist

Veröffentlichung: NÖDIS Nr. 10/5.7.2018 


Am Ende einer jeden Gleitzeitperiode kann es vorkommen, dass ein Zeitguthaben vorhanden ist, welches nicht in die nächste Periode übertragen, sondern ausbezahlt wird. Welchem Beitragszeitraum das Entgelt nun zuzuordnen ist, erfahren Sie im nachfolgenden Artikel.

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Definition Gleitzeit

Das Arbeitszeitmodell der Gleitzeit liegt gemäß § 4b Abs. 1 Arbeitszeitgesetz (AZG) dann vor, wenn der Dienstnehmer innerhalb eines vereinbarten zeitlichen Rahmens Beginn und Ende seiner täglichen Normalarbeitszeit selbst bestimmen kann. Hierbei ist er lediglich berechtigt, die Arbeitszeit entsprechend zu verteilen und nicht einseitig auszuweiten.

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Voraussetzungen

Die gleitende Arbeitszeit muss durch Betriebsvereinbarung bzw. in Betrieben ohne Betriebsrat durch eine schriftliche Einzelvereinbarung geregelt werden.

Derartige Gleitzeitvereinbarungen haben zumindest

  • die Dauer der Gleitzeitperiode (umfasst in der Regel einen Monat),
  • den Gleitzeitrahmen,
  • das Höchstausmaß von Zeitguthaben und Zeitschulden, die in die nächste Gleitzeitperiode übertragen werden können, sowie
  • die Dauer und Lage der fiktiven Normalarbeitszeit

zu enthalten.

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Grenzen der Normalarbeitszeit

Das AZG begrenzt die tägliche Normalarbeitszeit bei Gleitzeit mit maximal zehn Stunden. Die wöchentliche Normalarbeitszeit darf innerhalb der Gleitzeitperiode 40 Stunden im Durchschnitt nur insoweit überschreiten, als Übertragungsmöglichkeiten von Zeitguthaben vorgesehen sind. Die Obergrenze der Wochenarbeitszeit beträgt 50 Stunden.

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Zeitguthaben

Am Ende einer Gleitzeitperiode können Zeitguthaben vorhanden sein, die nicht in die nächste Periode übertragen werden können, weil

  • keine Übertragungsmöglichkeit in der Gleitzeitvereinbarung vorgesehen ist oder
  • das vereinbarte Höchstausmaß an Übertragungsmöglichkeiten in die nächste Gleitzeitperiode überschritten wurde.


Diese Gleitzeitguthaben gelten als Überstunden und sind jedenfalls mit einem Zuschlag von 50 % abzugelten.

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Auszahlung

Auf Grund eines Erkenntnisses des Verwaltungsgerichtshofes (VwGH) kommt bei der Auszahlung eines Gleitzeitguthabens eine Aufrollung der einzelnen Beitragszeiträume nicht in Betracht. Der VwGH begründet dies damit, dass das Guthaben gleichsam als Ergebnis eines Arbeitszeitkontokorrents das rechnerische Ergebnis von Gutstunden und Fehlstunden ist und als solches daher keinem bestimmten Beitragszeitraum zugeordnet werden kann. Es kann daher beitragsrechtlich nur jenem Beitragszeitraum zugeordnet werden, in welchem die Auszahlung erfolgte (vgl. VwGH 21.4.2004, 2001/08/0048).

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Hinweis

Laut den Empfehlungen zur einheitlichen Vollzugspraxis der Versicherungsträger (vgl. E-MVB 049-01-00-008) gilt dieses VwGH-Erkenntnis für all jene Fälle, in denen eine Zuordnung von Gutstunden nicht möglich ist. 

Sind die Stunden hingegen einem bestimmten Beitragszeitraum zuordenbar, ist gemäß § 44 Abs. 7 Allgemeines Sozialversicherungsgesetz (ASVG) entsprechend aufzurollen.

Autor: Mag. Wolfgang Böhm/NÖGKK