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Erkrankung im Ausland

Meldeverpflichtungen des Dienstnehmers


Veröffentlichung: NÖDIS, Nr. 17/Dezember 2013

Ein in Österreich versicherter Dienstnehmer hält sich anlässlich eines Urlaubes, einer Dienstreise oder auf Grund seines im Nachbarstaat liegenden Wohnsitzes im Ausland auf. Er erkrankt und konsultiert einen Arzt. Dieser stellt eine Bestätigung über die auf Grund der Erkrankung eingetretene Arbeitsunfähigkeit aus. Welche Meldeverpflichtungen hat der Dienstnehmer nun zu erfüllen?

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Unterbrechung des Urlaubes

Im Falle eines Urlaubsaufenthaltes ist zunächst zu prüfen, ob der Urlaub nach den Bestimmungen des Urlaubsgesetzes (UrlG) unterbrochen wird. Dies ist grundsätzlich dann der Fall, wenn die festgestellte Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage andauert und der Dienstnehmer seinen Dienstgeber nach dreitägiger Krankheitsdauer unverzüglich informiert.

Bei Wiederantritt des Dienstes muss die ausgestellte Arbeitsunfähigkeitsmeldung ohne schuldhafte Verzögerung dem Dienstgeber vorgelegt werden. Im Falle einer während eines Auslandsaufenthaltes erfolgten "Krankschreibung" hat der Dienstnehmer zusätzlich eine behördliche Bestätigung (Konsulat, ausländischer Sozialversicherungsträger) beizubringen, dass die Arbeitsunfähigkeit von einem zur Ausübung des Arztberufes zugelassenen Arzt ausgestellt wurde.

Wird die Arbeitsunfähigkeitsmeldung von einer ausländischen Krankenanstalt ausgestellt, ist die zusätzliche Bestätigung entbehrlich. Kommt der Dienstnehmer diesen Verpflichtungen nicht nach, wird der Urlaub nicht unterbrochen. Etwaige Ansprüche nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) oder Angestelltengesetz (AngG) gebühren in einem derartigen Fall erst ab dem Zeitpunkt, zu dem der Dienst nach der getroffenen Urlaubsvereinbarung wieder angetreten worden wäre. Fazit: Die Entgeltansprüche nach dem EFZG bzw. dem AngG und dem UrlG verdrängen einander. Es gebührt daher entweder Urlaubsentgelt (bei nicht unterbrochenem Urlaub) oder Krankenentgelt.

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Entgeltfortzahlung

Wie im Inland hat der Dienstnehmer auch bei einem Auslandsaufenthalt den Eintritt einer Arbeitsunfähigkeit ohne Verzug seinem Dienstgeber bekannt zu geben. Auf ausdrückliches Verlangen ist eine ärztliche Bestätigung über Beginn, voraussichtliche Dauer und Ursache der Arbeitsverhinderung beizubringen. Andernfalls verliert der Dienstnehmer für die Dauer der Säumnis seinen Anspruch auf Krankenentgelt.

Bei einer im EU/EWR-Raum und der Schweiz eingetretenen Arbeitsunfähig­keit sind sowohl die Dienstgeber als auch die Versicherungsträger nach der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 bzw. der dazu ergangenen Durchführungsverordnung (EG) Nr. 987/2009 an die vom dort ansässigen Arzt ausgestellte Arbeitsunfähigkeitsbestätigung gebunden.

In allen übrigen Ländern hat der erkrankte Dienstnehmer eine Arbeitsunfähigkeitsbestätigung zu verlangen, die inhaltlich zumindest die nachstehenden Merkmale einer österreichischen "Krankmeldung" beinhaltet:

  • persönliche Daten des Versicherten (Name, Geburtsdatum etc.),
  • Beginn und Ende bzw. voraussichtliche Krankenstandsdauer und
  • Ursache der Arbeitsunfähigkeit (Krankheit, Arbeitsunfall etc.).

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Meldepflicht an die GKK

Der Versicherte hat zudem den zuständigen Krankenversicherungsträger über die im Ausland eingetretene Arbeitsunfähigkeit zu informieren. Die Arbeitsunfähigkeitsmeldung muss - zusätzlich zum zuvor erwähnten Mindestinhalt - auch die Diagnose beinhalten.

Nach erfolgter Prüfung durch den medizinischen Dienst der Kasse werden auf Antrag des Versicherten auch österreichische Arbeitsunfähigkeitsbestätigungen zwecks Vorlage beim Dienstgeber ausgestellt. 

Eine unverschuldet verspätete Meldung an den Dienstgeber stellt keinen Verstoß gegen die Melde- und Nachweispflicht des Dienstnehmers dar, sofern sie nach Wegfall des Hinderungsgrundes unverzüglich nachgeholt wird.

Kommentar

Ing. Norbert Fidler_1. Obmann-Stellvertreter der NÖGKK_Quelle NÖGKK "Krankenstandsbestätigungen können seitens des Dienstgebers auch elektronisch über KSB Online abgefragt werden. Die Verpflichtung des Dienstnehmers, die Arbeitsunfähigkeit unverzüglich dem Dienstgeber bekannt zu geben, wird dadurch nicht ersetzt."

Ing. Norbert Fidler, 1. Obmann-Stv. der NÖGKK

Weitere Informationen zur Registrierung zu KSB Online können Sie auf der Website von ELDA nachlesen.

Autor: Hannes Holzinger