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Teilentgelt bei Lehrlingen


Veröffentlichung: NÖDIS, Nr. 14/Oktober 2015 

Lehrlinge haben u. a. bei einer Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit (Unglücksfall) Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Und zwar je Lehrjahr bis zu einer Dauer von vier Wochen. Danach gebührt ein Teilentgelt bis zur Dauer von weiteren zwei Wochen. Die Höhe dieses Teilentgeltes berechnet sich aus der Differenz zwischen der vollen Lehrlingsentschädigung und dem aus der gesetzlichen Krankenversicherung gebührenden Krankengeld.

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Ein Fall aus der Praxis

Wie ist aber im folgenden Fall das Teilentgelt zu berechnen? Ein Lehrling ist vom 8.6. bis 12.6. krank. Auf Grund der im Lehrjahr bereits vorliegenden Krankenstände hat er für den 8.6. noch Anspruch auf die volle Lehrlingsentschädigung, für den Zeitraum 9.6. bis 12.6. erhält er Teilentgelt. Das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz (ASVG) sieht nun vor, dass bei einer Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit das Krankengeld erst ab dem vierten Tag der Arbeitsunfähigkeit gebührt. Daher steht dem Lehrling in diesem Fall das Krankengeld erst ab dem 11.6. zu. 

Da der Lehrberechtigte verpflichtet ist, ein Teilentgelt auch dann zu gewähren, wenn der Lehrling kein Krankengeld bezieht, ist nicht nur für den 11.6. bis 12.6., sondern auch für den Zeitraum 9.6. bis 10.6. ein (beitragsfreies) Teilentgelt zu leisten. Das Teilentgelt gebührt in der Höhe des Unterschiedsbetrages zwischen der vollen Lehrlingsentschädigung und dem Krankengeld. Da vom 9.6. bis 10.6. kein Anspruch auf Krankengeld besteht (die Höhe des Krankengeldes also "Null" ist), gebührt während dieser Zeit die volle Lehrlingsentschädigung. In dieser "Sonderkonstellation" stellt also vom 9.6.  bis 10.6. die volle Lehrlingsentschädigung das (beitragsfreie) "Teilentgelt" dar.

Autor: Wolfgang Mitterstöger/NÖGKK