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Sachbezüge - Bewertung und Beurteilung


Veröffentlichung: NÖDIS, Nr. 4/April 2014

Dienstgeber entlohnen ihre Dienstnehmer nicht nur mit Geld, sondern manchmal auch mit Sachbezügen. Wann und in welchem Ausmaß derartige "Naturalleistungen" beitragspflichtig sind, ist eine spannende Frage, der wir uns nach und nach widmen werden.

Sachbezüge, die geldwerte Vorteile aus dem Dienstverhältnis darstellen, gehören (wie die Geldbezüge) zum Entgelt und sind daher grundsätzlich beitragspflichtig. Ein geldwerter Vorteil liegt natürlich nur dann vor, wenn der Dienstnehmer eine Sachleistung vom Dienstgeber verbilligt oder unentgeltlich erhält. Beispiele für Sachbezüge sind freie Kost und Logis, die Privatnutzung des Firmen-Kraftfahrzeuges (KFZ) oder die Bereitstellung von Bekleidung.

Sachbezüge erhöhen sowohl die Beitragsgrundlage als auch die steuerrechtliche Bemessungsgrundlage. Doch in welchem Ausmaß? Grundsätzlich sind geldwerte Vorteile mit dem üblichen Mittelpreis des Verbrauchsortes anzusetzen. Um aber die Berechnung häufig vorkommender Sachbezüge zu vereinfachen, wurde vom Bundesministerium für Finanzen eine Verordnung über die bundeseinheitliche Bewertung bestimmter Sachbezüge erlassen. Diese Sachbezugswerteverordnung legt z. B. fest, welchen Geldwert eine "volle freie Station" hat. Im Rechtsinformationssystem (RIS) finden Sie die vollständige Sachbezugswerteverordnung (siehe dazu den Link in der rechten Navigationsleiste).

Aus aktuellem Anlass (Erhöhung des Sachbezugswertes) widmen wir uns zuerst dem privat genutzten Dienstwagen.

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Privatnutzung des Firmen-KFZ - Neuer Sachbezugswert

Kann ein Dienstnehmer das firmeneigene KFZ für Privatfahrten (dazu zählen auch Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte) nutzen, so ist dafür ein monatlicher Sachbezug anzusetzen. Dieser beträgt laut Sachbezugswerteverordnung 1,50 % der tatsächlichen Anschaffungskosten des KFZ (einschließlich Umsatzsteuer und Normverbrauchsabgabe). Maximal anzusetzen sind dabei seit 1.3.2014 € 720,00 pro Monat (statt wie bisher € 600,00). Die Anhebung des Sachbezugswertes gilt auch für Fahrzeuge, die dem Dienstnehmer bereits vor dem 1.3.2014 zur Nutzung überlassen wurden. 

Werden privat nachweislich (z. B. durch Fahrtenbücher) im Jahresdurchschnitt nicht mehr als 500 Kilometer monatlich gefahren, ist ein Sachbezugswert im halben Betrag (0,75 % der tatsächlichen Anschaffungskosten, seit 1.3.2014 maximal € 360,00 statt bisher € 300,00 monatlich) anzusetzen.

Bei einem Gebrauchtfahrzeug ist der Listenpreis im Zeitpunkt der erstmaligen Zulassung relevant. Bei einem geleasten KFZ ist der Sachbezugswert von den Anschaffungskosten zu berechnen, die der Leasingrate zu Grunde gelegt wurden.

Für Kalendermonate, in denen das KFZ (auch für Dienstfahrten) nicht zur Verfügung steht, fällt kein Sachbezug an.

Beginnt oder endet das Dienstverhältnis während eines Abrechnungszeitraumes ("gebrochene Abrechnungsperiode"), ist der Sachbezugswert nach den Aliquotierungsbestimmungen des jeweiligen Kollektivvertrages zu berechnen. Erhält der Dienstnehmer Bezüge, die für die Berechnung der Lohnsteuer einen monatlichen Abrechnungszeitraum hervorrufen (z. B. Kündigungsentschädigung), ist der Sachbezugswert dennoch nur für die Tage der tatsächlichen Beschäftigung zu berechnen. 

Kein Sachbezug liegt bei Spezialfahrzeugen vor, die auf Grund ihrer Ausstattung eine andere private Nutzung praktisch ausschließen. Oder wenn Berufschauffeure nach "Dienstschluss" mit dem arbeitgebereigenen Fahrzeug, das privat nicht verwendet werden darf, nach Hause fahren.

Kostenbeitrag

Kostenbeiträge des Dienstnehmers an den Dienstgeber bei der Anschaffung des Fahrzeuges vermindern grundsätzlich den Sachbezugswert. Dies gilt sowohl für laufende als auch für einmalige Kostenbeiträge. 

Erhält der Dienstnehmer anlässlich seines Ausscheidens aus dem Dienstverhältnis einen Teil des einmalig geleisteten Kostenbeitrages zurück, ist eine Neubewertung des Sachbezuges vorzunehmen. Die Sozialversicherungsbeiträge sind dabei entsprechend der Dauer des Dienstverhältnisses "aufzurollen". Im Steuerrecht ist der erstattete Kostenbeitrag, insoweit er in der Vergangenheit den Sachbezugswert vermindert hat, als sonstiger Bezug zu versteuern (neben laufenden Bezügen nach § 67 Abs. 1 und 2 Einkommensteuergesetz 1988 [EStG 1988], sonst nach § 67 Abs. 10 EStG 1988).

Fahrgemeinschaften

Überlässt der Dienstgeber ein KFZ mehreren Personen zur gemeinsamen Nutzung für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, ist der Sachbezug für die Zurverfügungstellung des Fahrzeuges entsprechend dem Ausmaß der tatsächlichen Nutzung auf die hierzu berechtigten Personen aufzuteilen (vgl. Lohnsteuerrichtlinien - LStR, Randzahl 184). 

In der Sozialversicherung kann der auf den einzelnen Dienstnehmer entfallende Sachbezugswert auch um die tatsächlichen Kosten, die für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte mit Massenbeförderungsmitteln (fiktiv) anfallen, vermindert werden. 

Steht das KFZ ausschließlich einer einzigen Person für Privatfahrten zur Verfügung und befördert diese einen Arbeitskollegen zur Arbeitsstätte, ist hingegen keine Teilung des Sachbezuges vorzunehmen. 

Wird die Beförderungskapazität des eingesetzten firmeneigenen KFZ zu mindestens 80 % ausgeschöpft, ist für die Dienstnehmer kein steuerpflichtiger Vorteil aus dem Dienstverhältnis anzunehmen, sondern es liegt Werkverkehr gemäß § 26 Z 5 EStG 1988 vor (vgl. LStR, Randzahl 746). Dieser Werkverkehr ist sowohl beitrags- als auch lohnsteuerfrei.

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Sachbezüge bei … 

Krankenstand

Beitragsfrei sind Sachbezüge während eines Krankenstandes dann, wenn

  • der Dienstnehmer Anspruch auf Krankengeld hat und
  • die Zuschüsse des Dienstgebers weniger als 50 % der vollen Geld- und Sachbezüge vor Eintritt des Krankenstandes betragen.


Besteht Anspruch auf (halbes oder volles) Krankengeld, ist folgendermaßen vorzugehen: Die Höhe der Sachbezüge und die Höhe des fortgezahlten Entgeltes sind zusammenzuzählen. Beträgt diese Summe weniger als 50 % der vollen Geld- und Sachbezüge vor Eintritt des Krankenstandes, sind die Sachbezüge (und das fortgezahlte Entgelt) beitragsfrei. Ist dies nicht der Fall, sind die Sachbezüge (und das fortgezahlte Entgelt) beitragspflichtig. Werden während des Krankenstandes aber nur mehr Sachbezüge gewährt, besteht für diese Sachbezüge (laut dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger) generell keine Beitragspflicht mehr (Lohnsteuerpflicht ist aber grundsätzlich gegeben).

Wochengeld

Erhält die Dienstnehmerin während des Bezuges von Wochengeld vom Dienstgeber ausschließlich Sachbezüge (z. B. Dienstwohnung, KFZ etc.), sind diese beitragsfrei. Dies gilt grundsätzlich auch für karenzierte Dienstverhältnisse.

Urlaub

Sachbezüge, die während des Urlaubes weiter in Anspruch genommen werden, sind wie das Urlaubsentgelt beitragspflichtig abzurechnen.

Autor: Wolfgang Mitterstöger/NÖGKK