DRUCKEN

Betriebliche Vorsorge - Worauf es in der Praxis ankommt


Veröffentlichung: NÖDIS, Nr. 5/April 2014

Mit der Einführung der Betrieblichen Vorsorge (BV) verfolgte der Gesetzgeber das Ziel, eine "Abfertigung für alle" zu schaffen. Die Praxis zeigt jedoch, dass die Umsetzung der Bestimmungen des Betrieblichen Mitarbeiter- und Selbständigenvorsorgegesetzes (BMSVG) oftmals Probleme bereitet. Noch bevor das Beschäftigungsverhältnis tatsächlich beginnt, sollten Sie als Dienstgeber folgende Fragen abklären:

up

Vor dem Dienstverhältnis

Ist das BMSVG anzuwenden?

Wenn Sie einen Dienstnehmer neu einstellen, wird dieser in der Regel dem BMSVG unterliegen. Dies gilt auch für freie Dienstnehmer und geringfügig Beschäftigte.

Wenn Sie noch keine BV-Kasse (für Ihre anderen Dienstnehmer) ausgesucht haben, müssen Sie eine auswählen, damit wir die Beiträge dorthin weiterleiten können (eine Liste  mit allen BV-Kassen finden Sie unter dem Link in der rechten Navigationsleiste). Sie brauchen uns aber weder mitzuteilen, mit welcher BV-Kasse Sie einen Vertrag abgeschlossen haben, noch wie die "Leitzahl" dieser Kasse lautet. Dies alles gibt uns die BV-Kasse selbst bekannt.

Ist die Anmeldung vollständig?

Wenn Sie Ihren Dienstnehmer zur Sozialversicherung anmelden, ist unbedingt auch das Feld "Betrieblicher Vorsorgebeitrag ab" auszufüllen. Zwei Besonderheiten sind dabei zu beachten.

Beitragsfreier erster Monat: Der BV-Beitrag fällt grundsätzlich nicht bereits ab dem ers­ten, sondern erst ab dem zweiten Beschäftigungsmonat an. Zählen Sie daher bitte zum Beginn des Dienstverhältnisses einen (ganzen) Monat dazu. Dieses Datum ist dann im Feld "Betrieblicher Vorsorgebeitrag ab" einzutragen. Für ein Dienstverhältnis, das kürzer als einen Monat dauert, ist kein BV-Beitrag zu entrichten.

Beispiel zum beitragsfreien ersten Monat:

Betriebliche Vorsorge_Beispiel zum beitragsfreien ersten Monate_Quelle NÖGKK









"Zwölf-Monatsregel":
Nehmen wir an, Ihr Dienstnehmer beendet zwar seine Tätigkeit, fängt aber innerhalb von zwölf Monaten wieder bei ­Ihnen an. Der BV-Beitrag ist in diesem Fall nicht erst ab dem zweiten Monat, sondern bereits ab dem ersten Tag der neuen Beschäftigung bei Ihnen (also beim selben Dienstgeber) zu entrichten. Voraussetzung: Beide Dienstverhältnisse unterliegen dem BMSVG und dauern länger als einen Monat (keine Resttagezählung).

Beispiel zur "Zwölf-Monatsregel":

Betriebliche Vorsorge_Beispiel zur Zwölf-Monatsregel_Quelle NÖGKK








* Dienstverhältnis unterliegt nicht der BV, weil es kürzer als einen Monat dauert.

Wie hoch ist der BV-Beitrag?

Der BV-Beitrag beträgt 1,53 % des monatlichen Entgeltes (inklusive allfälliger Sonderzahlungen). Beachten Sie bitte, dass bei der Berechnung des BV-Beitrages sowohl die Geringfügigkeitsgrenze als auch die Höchstbeitragsgrundlage außer Betracht bleiben. Dies bedeutet, dass der BV-Beitrag sowohl von einem geringfügigen Entgelt als auch vom Entgelt über der Höchstbeitragsgrundlage zu entrichten ist. Der BV-Beitrag ist zur Gänze vom Dienstgeber zu tragen.

up

Während des Dienstverhältnisses

Während des Beschäftigungsverhältnisses kann natürlich einiges "passieren": Der Dienstnehmer wird krank, zum Präsenzdienst einberufen, karenziert etc.

In welchen Fällen müssen Sie den BV-Beitrag weiter bezahlen und welche Besonderheiten sind zu beachten?

Beitragsleistung durch Dienstgeber

Sofern das Dienstverhältnis arbeitsrechtlich weiterhin aufrecht ist, muss ein BV-Beitrag auch dann entrichtet werden, wenn Ihre Dienstnehmerin oder Ihr Dienstnehmer

  • Anspruch auf Wochen- oder (halbes bzw. volles) Krankengeld hat,
  • den Präsenz-, Ausbildungs- oder Zivil­dienst absolviert,
  • sich in Bildungs- oder Pflegeteilzeit befindet.

Bemessungsgrundlage

Die Bemessungsgrundlage, von der Sie als Dienstgeber den BV-Beitrag zu zahlen haben, ist bei

  • Wochengeld: Ein Monatsentgelt, berechnet nach dem in den letzten drei Kalendermonaten vor dem Versicherungsfall der Mutterschaft gebührenden Entgelt. Sonderzahlungen sind dabei anteilig zu berücksichtigen (sofern diese nicht während des Wochengeldbezuges fortzuzahlen sind).
  • 50 % Krankengeld, 50 % Entgeltfortzahlung (EFZ):  50 % des für den Kalendermonat vor dem Eintritt des Versicherungsfalles gebührenden Entgeltes (ohne Sonderzahlungen) plus 50%ige EFZ (mit Sonderzahlungen). Wird das Dienstverhältnis während der Arbeitsunfähigkeit beendet, ist ab diesem Zeitpunkt als Bemessungsgrundlage für den BV-Beitrag nur mehr das etwaig noch fortgezahlte Entgelt heranzuziehen. Das Teilentgelt bei Lehrlingen erhöht die fiktive 50%ige Bemessungsgrundlage nicht.
  • 100 % Krankengeld, weniger als 50 % EFZ: 50 % des für den Kalendermonat vor dem Eintritt des Versicherungsfalles gebührenden Entgeltes (ohne Sonderzahlungen).
  • Präsenz-, Ausbildungs- oder Zivildienst: Betrag des Kinderbetreuungsgeldes von täglich € 14,53 im Jahr 2014 (monatlich: € 435,90). Erhält der Dienstnehmer von Ihnen während dieser Zeiten weiterhin ein beitragspflichtiges Entgelt (und sei es auch nur ein geringfügiges), ist davon ebenfalls ein BV-Beitrag zu zahlen.
  • Bildungsteilzeit und Pflegeteilzeit: Monatliches Entgelt (plus Sonderzahlungen) vor Herabsetzung der Normalarbeitszeit (Lohnerhöhungen sind zu berücksichtigen).

 

Keine Beitragsleistung durch den Dienstgeber

Keinen BV-Beitrag haben Sie zu entrichten, wenn Ihre Dienstnehmerin oder Ihr Dienstnehmer

  • Kinderbetreuungsgeld bezieht,
  • sich in Familienhospiz-, Pflege- oder Bildungskarenz befindet,
  • einen unbezahlten Urlaub absolviert.

 

Vereinfacht gesagt wird der BV-Beitrag in diesen Fällen - außer beim unbezahlten Urlaub - aus Bundesmitteln getragen. 

up

NÖDIS-Clip "Beginn der Betrieblichen Vorsorge" 

NÖDIS-CLIP-TITELBILD_Beginn der Betrieblichen Vorsorge_Quelle NÖGKK Tipps zum "Beginn der Betrieblichen Vorsorge" erhalten Sie in unserem NÖDIS-Clip, den Sie unter dem Link in der rechten Navigationsleiste abrufen können.


Autor: Wolfgang Mitterstöger/NÖGKK