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Wer ist wirklich Volontär?

Voraussetzungen und Besonderheiten


Veröffentlichung: NÖDIS, Nr. 12/Dezember 2008

In jüngster Zeit wurden die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) sowie die Gebietskrankenkassen verstärkt mit Anmeldungen von Volontären konfrontiert. Wie sich im Rahmen von routinemäßigen Überprüfungen herausstellte, handelt es sich bei den Beschäftigungsverhältnissen größtenteils um reguläre Dienstverhältnisse. Warum dies so ist bzw. welche Merkmale für das "Tätigkeitsbild" eines Volontärs charakteristisch sind, wollen wir hier näher untersuchen.

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Umfang der Pflichtversicherung

Volontäre unterliegen ausschließlich der Pflichtversicherung in der Unfallversicherung. Die Pflichtversicherung beginnt mit dem Tag der Aufnahme der Tätigkeit. Volontäre sind vor Arbeitsantritt bei der AUVA zu melden. Ein entsprechendes Meldeformular finden Sie auf der Homepage der AUVA (siehe dazu den Link in der rechten Navigationsleiste). Sofern Zweifel daran bestehen, ob es sich tatsächlich um ein Volontariat handelt, werden die Anmeldungen an die jeweils zuständige Gebietskrankenkasse zur Überprüfung übermittelt. 

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Definition eines Volontariats

Das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz (ASVG) verwendet den Begriff des Volontärs zwar in mehreren Bestimmungen, definiert ihn allerdings nicht näher. Der Begriff Volontär wird aber stets als Sonderfall eines Dienst- oder Lehrverhältnisses verstanden. Bei seiner Auslegung ist daher - so der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) in seinen Entscheidungen - auf das arbeitsrechtliche Begriffsverständnis abzustellen. 

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Merkmale eines Volontariats

Lehre und Rechtsprechung verstehen unter der Tätigkeit eines Volontärs eine Beschäftigung, die nicht in erster Linie Betriebsinteressen, sondern im Wesentlichen Zwecken der praktischen Ausbildung dient. Die Initiative hierzu geht in der Regel vom Volontär selbst aus. Charakteristisch ist weiters die Unentgeltlichkeit der Tätigkeit. Die freiwillige Gewährung eines Taschengeldes steht einem Volontariat allerdings nicht zwingend entgegen.

Volontär ist, wer in einem Betrieb mit Erlaubnis des Betriebsinhabers die dort bestehenden maschinellen oder sonstigen Einrichtungen kennen lernen will und sich gewisse praktische Kenntnisse und Fertigkeiten aneignen darf. Der Volontär ist hierbei weder an eine bestimmte Tätigkeit gebunden, noch ist er zur Arbeitsleistung verpflichtet. Bei Hilfsarbeiten bzw. einfachen, angelernten Tätigkeiten ist ein Volontariat mangels Ausbildungscharakter anzuzweifeln und einer strikten Prüfung zu unterziehen.

Wesentliches Kriterium für ein Volontariat ist die fehlende organisatorische Eingliederung in das Unternehmen. Die notwendige Ungebundenheit gegenüber dem Betrieb liegt nicht vor, wenn der Volontär an die betriebliche Arbeitszeit bzw. sonstige Vorgaben gebunden ist, weisungsunterworfen in den Arbeitsprozess eingegliedert ist, wenn er verpflichtet ist, bestimmte Arbeiten nach Anweisung zu verrichten und er diesbezüglich einer disziplinären Kontrolle unterliegt.

Das Beschäftigungsbild eines Volontärs muss sich sowohl organisatorisch als auch inhaltlich ganz klar von der Tätigkeit der übrigen im Betrieb beschäftigten Dienstnehmer (egal, ob diese gerade "eingeschult“ werden oder die innerbetriebliche Ausbildung bereits durchlaufen haben) unterscheiden. Bedenken Sie bitte, dass Volontäre in der Praxis eher die Ausnahme darstellen.

Treffen Sie daher eindeutige "Ausbildungsvereinbarungen" und sorgen Sie innerbetrieblich dafür, dass diese in der Praxis auch umgesetzt werden. Für die Beurteilung, ob ein Volontariat oder ein Dienstverhältnis vorliegt, sind nämlich immer die tatsächlichen Verhältnisse und nicht die ursprüngliche Absicht bei der Beschäftigungsaufnahme relevant.

Info

Übrigens: Grundsätzlich unterscheiden sich echte Ferialpraktikanten sozialversicherungsrechtlich von Volontären lediglich insofern, als sie eine im Rahmen des Lehrplanes bzw. der Studienordnung vorgeschriebene oder übliche praktische Tätigkeit verrichten.