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Aktuelles zur Lehre

Ein Gastbeitrag der Wirtschaftskammer


Veröffentlichung: NÖDIS, Nr. 8/Juli 2010

Die Novelle des Berufsausbildungsgesetzes (BAG) bringt mit 1.7.2010 u. a. Vereinfachungen bei der Integrativen Berufsausbildung, die Schaffung einer gesetzlichen Interessenvertretung für Jugendliche in einer überbetrieblichen Ausbildungseinrichtung sowie die Ausdehnung der Möglichkeit, Ausbildungszeiten im Ausland auf die Lehrzeit anzurechnen.

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Integrative Berufsausbildung

Seit ihrer Einführung im Jahr 2003 hat sich die Integrative Berufsausbildung als Ausbildungsform für benachteiligte Jugendliche sehr bewährt. Auf Grund der Ergebnisse der Evaluierung der Bestimmungen zur Integrativen Berufsausbildung sowie der darauf aufbauend geführten Gespräche mit allen beteiligten Behörden und Institutionen sind die Bestimmungen zur Integrativen Berufsausbildung modifiziert worden. Die wichtigste Änderung ermöglicht bei Vorliegen gesundheitlicher Gründe eine Reduktion der täglichen oder wöchentlichen Normalausbildungszeit. Die umgesetzte Bestimmung bietet damit ausreichend Flexibilität, um auf die Bedürfnisse des Einzelfalles eingehen zu können und den betroffenen Jugendlichen eine angepasste Ausbildung zu ermöglichen. Benachteiligte Jugendliche sollten dadurch noch besser in das Berufsleben eingegliedert werden können.

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Interessenvertretung

Die BAG-Novelle sieht weiters die Einrichtung einer Interessenvertretung für Jugendliche in überbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen vor. Jugendliche in Ausbildungseinrichtungen gemäß § 30 und § 30b BAG erhalten damit die Möglichkeit, zu ihrer Vertretung eine bzw. entsprechend der Zahl der an einem Standort Auszubildenden mehrere Personen aus dem Kreis der Auszubildenden zum Vertrauensrat zu wählen.

Dieser hat „... die wirtschaftlichen, sozialen, gesundheitlichen und kulturellen Interessen der Auszubildenden wahrzunehmen. Er hat den Inhaber der Ausbildungseinrichtung auf allfällige Mängel aufmerksam zu machen und entsprechende Maßnahmen anzuregen. Weiters kann der Vertrauensrat Vorschläge zu allen die Ausbildung betreffenden Fragen machen und ist in die Planung der Ausbildung einzubeziehen ...“. Die neue Bestimmung soll auch dazu beitragen, das Demokratieverständnis der Jugendlichen in überbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen zu verstärken.

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Internationalisierung

Internationale Aktivitäten werden für Unternehmen immer wichtiger. Die Mobilität der Arbeitskräfte spielt dabei eine zunehmend bedeutende Rolle. Daher ist sowohl die Anerkennung von im Ausland absolvierten Berufsausbildungen als auch die Absolvierung von Berufspraktika im Ausland während einer Ausbildung in Österreich wichtig. Um den Entwicklungen zur Verbesserung von Bildungsmobilität in Europa Rechnung zu tragen, wird die im BAG geregelte Möglichkeit der Anrechnung von facheinschlägigen Ausbildungszeiten im Ausland auf die Lehrzeit von derzeit maximal vier Monaten pro Lehrjahr auf maximal sechs Monate pro Lehrjahr ausgedehnt. Damit sollte die Mobilität der zukünftigen Fachkräfte innerhalb Europas und somit deren Qualifikationen erhöht werden. Weiters wird bei den Verfahren zur Gleichhaltung von ausländischen Prüfungen mit Lehrabschlussprüfungen auf das Erfordernis der Gegenseitigkeit verzichtet. In der bisherigen Verwaltungspraxis hat sich herausgestellt, dass der Nachweis der Gegenseitigkeit durch die Antragsteller kaum gelingt und dieser von der Behörde nur mit unverhältnismäßigem Aufwand festgestellt werden kann. Dadurch sollte eine Vereinfachung des Verwaltungsverfahrens erreicht werden.

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Modullehrberuf

Seit 2006 besteht die Möglichkeit zur Ausbildung in modular aufgebauten Lehrberufen. Bei Modullehrberufen sind aufbauend auf einem gemeinsamen Grundmodul mehrere Hauptmodule eingerichtet. Nach Grund- und Hauptmodul kann eine vertiefende Ausbildung in einem nicht verpflichtenden Spezialmodul absolviert werden. Modullehrberufe bieten eine flexiblere Gestaltung der Ausbildung und verbesserte Kombinationsmöglichkeiten, leichtere Anerkennung bereits erworbener Qualifikationen und durch die Spezialmodule ein besseres Eingehen auf Branchenerfordernisse.

Derzeit sind folgende modulare Lehrberufe verordnet:

  • Installations- und Gebäudetechnik,
  • Werkstofftechnik,
  • Holztechnik und
  • Kraftfahrzeugstechnik.


Der Lehrberuf Elektrotechnik soll demnächst als modularer Lehrberuf verordnet werden. Die vollständige Lehrberufsliste finden Sie auf der Homepage des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend (BMWFJ).

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Ansprechpartner

Nähere Informationen erhalten Sie bei der

Wirtschaftskammer NÖ
Abteilung Bildung
Telefon: 02742 851 DW 17501
E-Mail: berufsausbildung@wknoe.at