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BGF für Mittel- und Großbetriebe

"Modell BGF-Standard"


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Die Vorprojektphase

Steuerungsgruppe, Projektleiterin, Projektteam

In der Vorprojektphase wird die Steuerungsgruppe gebildet. Diese kann je nach Unternehmensgröße drei bis acht Personen umfassen. Die Steuerungsgruppe ist für die Planung, Koordinierung und Umsetzung des gesamten BGF-Prozesses verantwortlich.

Mitglieder aus folgendem Personenkreis sollen für die Steuerungsgruppe nominiert werden: Schlüsselpersonen des Managements und der Arbeitnehmervertretung, die Arbeitsmedizinerin/der Arbeitsmediziner, die Sicherheitsvertrauensperson bzw. die Sicherheitsfachkraft und die regionale BGF-Kontaktstelle als externe Beratung. Weiters können Sozialpartner und andere Sozialversicherungsträger miteinbezogen werden.

Im nächsten Schritt wird die firmeninterne Projektleiterin/der firmeninterne Projektleiter nominiert. Dieser ist zentrale Ansprechperson für das Projekt. Gemeinsam mit dem nun zu bildenden Projektteam ist er/sie für den Ablauf des BGF-Projektes verantwortlich.

In der Vorprojektphase wird das Management des Unternehmens von BGF-Beraterinnen und BGF-Beratern der NÖGKK umfassend über Betriebliche Gesundheitsförderung informiert, erste Rahmenbedingungen bezüglich der notwendigen Ressourcen für das Projekt abgesteckt und der Projektantrag erarbeitet. Abschließend werden die Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten für BGF durch den Fonds Gesundes Österreich (FGÖ) und mögliche Leistungen der NÖGKK besprochen.

Ein BGF-Projekt ist auf eine offene und transparente Kommunikation im Unternehmen angewiesen, deshalb muss eine interne Kommunikationsschiene aufgebaut werden. Zentrale Bedeutung kommt jedenfalls der Startveranstaltung (Kick-off) im Unternehmen zu. Im Rahmen dieser Veranstaltung werden möglichst alle Mitarbeiter/innen über Ziele, Vorgehensweise und Zeitplan des BGF-Projektes informiert. Die Kick-off-Veranstaltung leitet die 1. Phase des Projektes ein.

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1. Phase: Die Diagnose

Die Diagnosephase oder Ist-Analyse dient dazu, die gesundheitliche Situation aller Beschäftigten im Betrieb zu erheben und die wesentlichen Einflussgrößen auf die Gesundheit festzustellen. Je genauer die Diagnose ist, umso besser ist die Ausgangssituation für die anschließende Planung und Umsetzung der Maßnahmen.

Häufig wird für diese Erhebung eine schriftliche Befragung mittels eines anonymen, standardisierten Fragebogens durchgeführt. Fragen zum subjektiven Gesundheitszustand ("Wie gesund fühlen Sie sich derzeit?"), zum subjektiven Gesundheitsverhalten (Bewegung, Ernährung,…), zur Analyse des betrieblichen Umfeldes (Gesundheitsbelastungen,...), zur Einschätzung sozialer Faktoren (Kommunikation, Betriebsklima) und zur Erhebung von Interesse an Aktivitäten im Rahmen des Projektes, werden gestellt.

Weitere Diagnoseinstrumente können die Arbeitsplatzanalyse und die Krankenstandsauswertung sein. Die NÖGKK erstellt individuelle und firmenbezogene Krankenstandsauswertungen ab 50 Mitarbeiter/innen (nur für Betriebe die ein BGF-Projekt gemeinsam mit der NÖGKK durchführen). Damit erhalten Sie wichtige Informationen über Krankenstände in Ihrem Betrieb. Sowohl die Arbeitsplatzanalyse als auch die Krankenstandsauswertung können gute Aufschlüsse über mögliche Handlungsfelder geben.

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2. Phase: Die Planung

Nach der Ist-Analyse im Betrieb sollte klar erkennbar sein, welche Schwerpunkte Ihr Unternehmen im Bereich Gesundheitsförderung setzen wird. Die Planungsphase dient nun zur Konkretisierung und Strukturierung der entsprechenden Maßnahmen. Ein zentrales Diagnose- und Planungsinstrument der BGF ist der Gesundheitszirkel. Gesundheitszirkel sind innerbetriebliche Arbeitskreise, in denen sich die Beschäftigten eines Betriebs mit ihren Arbeitsbelastungen und Gesundheitsressourcen auseinandersetzen und gemeinsam neue Lösungen und Vorschläge zur Erhaltung und Verbesserung der Gesundheit und des Wohlbefindens entwickeln. Der Gesundheitszirkel besteht aus fünf bis acht Mitarbeiter/innen, die sich zu etwa 4 bis 5 dreistündigen Sitzungen treffen. Diese finden im Interesse des Betriebes statt und sollen daher in der bezahlten Arbeitszeit abgehalten werden. Für das Gelingen von Gesundheitszirkeln ist eine gute Moderation ausschlaggebend. Diese Funktion kann durch geschulte interne Moderatorinnen oder Moderatoren oder durch die BGF-Berater/innen der NÖGKK wahrgenommen werden.

Nach Abschluss der Gesundheitszirkel liegt der Vorschlag für einen Maßnahmenplan vor, der im Rahmen einer Steuerungsgruppensitzung präsentiert und diskutiert wird. Die Steuerungsgruppe entscheidet auch, welche konkreten Maßnahmen im Unternehmen gestartet und umgesetzt werden.

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3. Phase: Die Umsetzung

Nun erfolgt die Umsetzung der erarbeiteten BGF-Maßnahmen. Welche Schwerpunkte das Unternehmen setzt, entscheidet die Steuerungsgruppe anhand der Erkenntnisse aus der Diagnose- und Planungsphase. Diese Maßnahmen können von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich sein: von der Durchführung von Führungskräftecoachings bis hin zu erwünschten baulichen Veränderungen. Wichtig ist dabei eine gute Mischung von verhaltens- und verhältnisbezogenen Maßnahmen.

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4. Phase: Die Evaluierung

In der Phase der Evaluierung oder auch Bewertung wird eine schriftliche Gesundheitsbefragung aller Mitarbeiter/innen des Unternehmens durchgeführt. Alle Werkzeuge, die in der Diagnosephase für den Betrieb ausgewählt und angewandt wurden, werden in dieser Phase verwendet und die Ergebnisse des Projektes auf ihren Erfolg bewertet.

Damit sollen die Veränderungen, die durch das Projekt erreicht werden konnten, messbar gemacht werden. Hier tauchen oft folgende Fragen auf: "Haben wir zum geplanten Zeitpunkt das definierte Ziel erreicht?", "Werden wir BGF langfristig als Standard in unserem Betrieb verankern können?"


Ein Tipp aus der Praxis: Dran bleiben hilft!