DRUCKEN

Teilentgelt von Lehrlingen


Veröffentlichung: NÖDIS, Nr. 8/Juni 2011

Die Entgeltfortzahlung für Lehrlinge im Falle einer Arbeitsverhinderung ist grundsätzlich im Berufsausbildungsgesetz (BAG) geregelt. Bei der Ermittlung der Anspruchsdauer ist stets zu unterscheiden, ob die Arbeitsverhinderung durch

  • Krankheit (Unglücksfall) oder
  • Arbeitsunfall bzw. Berufskrankheit

verursacht wurde.

Info

Die Verpflichtung eines Lehrberechtigten zur Gewährung eines Teilentgeltes besteht auch dann, wenn der Lehrling aus der gesetzlichen Krankenversicherung kein Krankengeld erhält.


Wie bei Arbeitern und Angestellten gilt auch bei Lehrlingen der Grundsatz, dass Arbeitsverhinderungen an Feiertagen die Entgeltfortzahlungsdauer nicht verringern. Lesen Sie dazu auch folgenden Artikel:

linkFragen und Antworten zur korrekten Ermittlung des Entgeltanspruches

up

Krankheit (Unglücksfall)

Bei Krankheit (Unglücksfall) gebührt je Lehrjahr bis zu einer Dauer von vier Wochen die volle Lehrlingsentschädigung und bis zur Dauer von weiteren zwei Wochen ein Teilentgelt in der Höhe des Unterschiedsbetrages zwischen der vollen Lehrlingsentschädigung und dem aus der gesetzlichen Krankenversicherung gebührenden Krankengeld.

Ist der Entgeltanspruch ("Grundanspruch") innerhalb eines Lehrjahres ausgeschöpft, gebührt bei einer weiteren Arbeitsverhinderung infolge Krankheit (Unglücksfall) innerhalb desselben Lehrjahres die volle Lehrlingsentschädigung für die ersten drei Tage. Für die übrige Zeit der Arbeitsunfähigkeit, längstens jedoch bis zur Dauer von sechs Wochen, ist wiederum Teilentgelt zu leisten. Die drei Tage volle Lehrlingsentschädigung und die sechs Wochen Teilentgelt stehen nach Ausschöpfung des "Grundanspruches" immer ereignisbezogen für jeden einzelnen weiteren "Krankenstand" innerhalb des Lehrjahres zu.

Mit Beginn eines neuen Lehrjahres entsteht wiederum ein neuer "Grundanspruch". Kuren, Erholungsaufenthalte etc. zählen als "Krankenstand", sofern sie von der Sozialversicherung bewilligt oder angeordnet wurden.

up

Arbeitsunfall/Berufskrankheit

Bei einer Arbeitsverhinderung durch Arbeitsunfall oder Berufskrankheit gebührt die volle Lehrlingsentschädigung ohne Rücksicht auf andere Zeiten einer Arbeitsverhinderung bis zur Dauer von acht Wochen. Teilentgelt ist bis zur Dauer von weiteren vier Wochen zu gewähren. Es besteht also für jeden einzelnen Arbeitsunfall bzw. für jede einzelne Berufskrankheit ein eigenes Anspruchskontingent für die Entgeltfortzahlung.

Laut Judikatur gilt (im Unterschied zum Entgeltfortzahlungsgesetz) auch eine Folgeerkrankung als selbständiger Arbeitsunfall, der einen neuerlichen Anspruch auf Entgeltfortzahlung auslöst. Wird nach einem Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit ein Kur-, Erholungsaufenthalt etc. bewilligt oder angeordnet, richtet sich der Anspruch nach den oben genannten Bestimmungen.

Das im Ausmaß des Anspruches gemäß dem BAG an Lehrlinge bezahlte Teilentgelt ist in der Sozialversicherung beitragsfrei.

Autor: Wolfgang Mitterstöger